Die Projektemacher*innen:


Szenen des Entwerfens


Sa 05. & So 06.09., 20.30h


Sa 19. & So 20.09., 20.30h



Öffentliche Arbeitsgespräche zwischen Kunst, Kultur und Forschung

  Außergewöhnliche Denker*innen, Planer*innen, Kulturschaffende treffen einander im Wiener Museumsquartier und beginnen, an einer neuen Idee zu arbeiten. Sie planen ein gemeinsames Projekt und notieren erste Skizzen. Sie treffen Annahmen und probieren Modelle. Analysen verwandeln sich in Prognosen und Theorien in künstlerische Praxis. Es ist ein Arbeitsgespräch über etwas, das noch nicht existiert: ein bislang unrealisiertes Projekt. mehr erfahren





1. Wochenende
2. Wochenende



  • Sa 05.09., 20.30h


    PROJEKT 1: Neue Wiener Festwochen



    Akademie des Verlernens

    Gemeinsam mit zwei Dramaturg*innen entwirft der designierte Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin eine neue Reihe für sein 2017 startendes Festival. Dabei stehen postkoloniale Fragestellungen im Fokus und deren Umsetzung in eine konkrete ästhetische Praxis: Wird etwas angestrebt, das die postkoloniale Theoretikerin Gayatri Spivak transnationale Bildung genannt hat, so ist es notwendig, die eigenen Privilegien zu hinterfragen. Dann geht es nicht mehr um eine Bildung, die auf bloßer Informationsakkumulation aufbaut, sondern um ein Lernen und Verlernen. Der Kunst, die Regeln zu brechen, kommt dabei eine besondere Funktion zu – sowohl die Regeln der wissenschaftlichen Disziplin(ierungen), als auch die Regeln des Erwarteten, des Common Sense, des Normalen. Die Praxis des „Regelnbrechens“ ist Spivak zufolge eine ethische Verpflichtung.


    Projektemacher*innen: Nadine Jessen, Johannes Maile & Tomas Zierhofer-Kin.
    Projektor: Nikolaus Gansterer

  • So 06.09., 20.30h


    PROJEKT 2: Ein Anti-Heimatfilm



    Schwarzes Gold und Gelber Stern

    Wie kann man aus einer Familiengeschichte einen Film über die jüdische Identität entwickeln? Wie wichtig sind Migrationen und kulturelle Mobilitätsformen? Wie sind wir von unserer Familiengeschichte bestimmt? Was heißt es, aus einem Ort zu stammen? Der französische Historiker Jérôme Segal hat mit Recherchen über seine Familie vor und während der NS-Zeit begonnen, die ihn durch Wien und Galizien führen. Es geht um ukrainisches Erdöl, die Wiederansiedelung nach der Vertreibung und jüdische Identität abseits eines religiösen Lebens. Ausgehend von seinen Entdeckungen entwickelt er einen Film. Auch die belgische Filmemacherin Nathalie Borgers – beide leben seit Jahren zum Teil in Wien – hat im Jahr 2010 unter dem Titel Liebesgrüße aus den Kolonien einen brisanten Film zu ihrer Familiengeschichte veröffentlicht. Dabei stieß sie auf eine unbekannte, afrikanische Tante. Die Tochter eines belgischen Agenten und einer Ruandischen Frau lenkte den Blick auf eine Version der europäischen Kolonialgeschichte, die Viele betrifft und noch immer tabuisiert ist. Ihre Erfahrungen und konzeptuellen Überlegungen bringt sie nun in Segals Film ein.

    Projektemacher*innen: Nathalie Borgers & Jérôme Segal
    Projektor: Nikolaus Gansterer

  • Sa 19.09, 20.30h


    PROJEKT 3: Die kommende Mode anschauen



    Denken am Rande des Laufstegs

    Einer der wichtigsten Einsätze von Mode bestand seit je in der bewussten Herstellung und Zerlegung von Geschlechtlichkeit. Insbesondere seit der französischen Revolution betont die Frau, was zuvor dem Mann vorbehalten war. Ein Blick auf die Laufstege wirft aber Fragen auf: Ist unser Denken der Mode noch aktuell? Philipp Ekardt und Barbara Vinken arbeiten gemeinsam an einem Update unseres Wissens vom Geschlecht (in) der Mode. Von dort ausgehend stellen sie erste Überlegungen zu möglichen Schauen und dem Anschauen von Mode an. Wie werden Mode und Geschlecht auf und jenseits des Laufstegs sichtbar? Wie könnten Strategien des Zeigens aussehen, wenn die Mode Geschlechtlichkeit auf der Straße, on the runway, aber auch in Installationen, oder gar im Museum zur Schau stellt? Was könnte man hier wie zeigen, was ausstellen?

    Projektemacher*innen: Philipp Ekardt & Barbara Vinken
    Projektor: Andreas Töpfer

  • So 20.09., 20.30h


    PROJEKT 4: Postmonetäre Ökonomie



    Welt ohne Geld

    Die Brüder Ralph und Stefan Heidenreich schildern in ihrem neuen Buch Forderungen (Herbst 2015), wohin der gegenwärtige Finanzfeudalismus treibt und welche Auswege es gibt. Für das Projekt einer postmonetären Ökonomie befragen sie die Expert*innen Gerald Nestler, Ramón Reichert und Felix Stalder aus Wien, wie sich das Verhältnis von Geld und Daten entwickelt und ob die Utopie einer Wirtschaft ohne Geld denkbar ist.

    Projektemacher*innen: Ralph & Stefan Heidenreich
    Projektor: Andreas Töpfer





  • Nathalie Borgers



    borgers

    Belgische Filmemacherin, die seit 1992 einen Teil ihres Lebens und ihrer Arbeit in Wien verbringt. Hat in Österreich u.a. Fang den Haider (2015), und Kronenzeitung – Tag für Tag ein Boulevardstück (2002) gedreht. 2010 filmt Borgers auf der Suche nach den Wurzeln eines Familiengeheimnisses ihre eigene Familie. Liebesgrüße aus den Kolonien erzählt das Schicksal ihrer afrikanischen Tante und das Tabu um ihre Existenz.
  • Philipp Ekardt



    Philipp Ekardt

    Literaturwissenschaftler, Kunsthistoriker an der University of London und in Berlin. Mode- und Kunstkritiker, u.a. für Texte zur Kunst.
  • Ralph Heidenreich



    Ralph Heidenreich

    Programmierer, Landvermesser, Gärtner, Aktivist und gemeinsam mit seinem Bruder Stefan Autor verschiedener Schriften zur Finanzwissenschaft und Ökonomietheorie, u.a. 2015 Forderungen und 2008 Mehr Geld (beide Merve).
  • Stefan Heidenreich



    Stefan Heidenreich

    Autor, Medien- und Kunsttheoretiker, Lehrender an der Leuphania Universität in Lüneburg. Arbeitet zur Zeit mit seinem Bruder Ralph an der Fortsetzung der Streitschrift Mehr Geld und beschäftigt sich mit Utopiekonzepten zur Überwindung gegenwärtiger Krisen.
  • Nadine Jessen



    Nadine Jessen

    Dramaturgin auf Kampnagel, Hamburg (2007-2016), davor Spielplatz in die theater. Künstlerische Mitarbeit in verschiedenen Konstellationen, aktuell Uschi Geller Experience.
  • Johannes Maile



    johannes

    2006 bis 2013 künstlerischer Leiter des WUK Theater/Tanz. Inszeniert regelmäßig, daneben dramaturgische und performerische Arbeiten u.a. in Kampnagel Hamburg und beim donaufestival. Freie Arbeiten mit Gods Entertainment und Fuckhead.
  • Jérôme Segal



    Segal

    ist (Wissenschafts-)Historiker, Assistenzprofessor an der Pariser Sorbonne, wohnt aber seit 2004 in Wien, wo er hauptsächlich als Forscher, Journalist und Cineast arbeitet. Seit 2008 schreibt er auch jede Woche über Österreich auf seinem Blog, le petit flambeau (die kleine Fackel).
  • Barbara Vinken



    vinken2

    Modewissenschafterin und Professorin für allgemeine und Französische Literaturwissenschaften an der Universität München. Autorin für die Zeit, NZZ und Cicero. Veröffentlichte 2014 Angezogen. Das Geheimnis der Mode, für das sie auch für den Leipziger Buchpreis nominiert wurde.
  • Tomas Zierhofer-Kin



    Tomas Zierhofer-Kin

    Kurator und Festivalmacher. Leitete von 1993 bis 2001 gemeinsam mit Markus Hinterhäuser das Zeitfluss-Festival der Salzburger Festspiele und entwickelte 2002-2004 ebenfalls mit Hinterhäuser die Programmreihe Zeit_Zone für die Wiener Festwochen. Seit 2005 Intendant des donaufestivals, das sich zu einem internationalen, sparten¬übergreifenden Festival für zeitgenössische Kunstformen entwickelte. Designierter neuer Intendant der Wiener Festwochen ab 2017.




  • Nikolaus Gansterer



    Nikolaus Gansterer

    Anthropologe und bildender Künstler (Universität für Angewandte Kunst Wien). Zeichnungen, Installationen und Bücher zu Denkfiguren und Diagrammatik. Veröffentlichte 2011 das preisgekrönte Buch Drawing a Hypothesis. Figures of Thought Aktuell betreibt er u.a. künstlerisches Forschungsprojekt im Rahmen des PEEK-Programms des FWF zu Choreo-Graphic Figures. Lebt und arbeitet in Wien und Berlin.
  • Andreas Töpfer



    Andreas Töpfer

    Grafiker, Designer, Visual Essayist, Live-Zeichner und Art Director aus Berlin. Studierte Industrie-, Buch- und Kommunikationsdesign, arbeitete u.a. für Adbusters und gründete den Buchverlag kookbooks. Illustriert zahlreiche Bücher u.a. die Schriften des österreichischen Philosophen Armen Avanessian.




OPEN AIR im Haupthof des MQ (Schlechtwetterquartier: Arena 21) Beginn jeweils 20.30h







Alle Videos und Fotos der Events
Zum Archiv